John Fitzgerald Kennedy soll einmal gesagt haben: „Das Leben ist ungerecht, aber bedenke: nicht immer zu Deinen Ungunsten.“ Das trifft auch im Wirtschaftsleben zu. Wenn die Preise für Benzin, Strom und Gas jeden Monat höher steigen, gibt es irgendwo jemanden, der sich darüber freut.
Das Geld ist ja nicht weg, es hat nur ein anderer. Und warum soll dieser andere nicht ich sein?
Eine Ölquelle dürfte kaum jemand im Garten haben. Allerdings gibt es Ölkonzerne, von denen man Aktien oder Anleihen kaufen kann. Die jüngste Krise in Libyen dürfte die Ölpreise weiter antreiben und damit auch die Gewinne der Konzerne erhöhen. Zumindest derjenigen, die von der Krise nicht betroffen sind.
Riskantes Geschäft
Allerdings zeigen die Turbulenzen in Nordafrika auch, wie riskant das Geschäft mit dem Öl ist. Die meisten Fördergebiete liegen in politisch instabilen Regionen. Schon morgen kann in einem anderen Land eine Krise ausbrechen, können die Förderanlagen zerstört oder verstaatlicht werden.
Bereits heute sind einige der größten Erdölförderer Staatsunternehmen. Die saudi-arabische Aramco beispielsweise, die in den 1970er Jahren verstaatlicht wurde, oder die ebenfalls in den 1970ern im Zuge einer Verstaatlichung entstandene venezolanische PDVSA, die bis ins Jahr 2010 auch 50 Prozent an der deutschen Ruhr Oel hielt. Verkauft wurde die Tochter übrigens an die russische Rosneft, ebenfalls ein Staatskonzern.
Und wenn die Politik keine Schwierigkeiten bereitet, dann ist es die Natur oder die Technik, wie bei der Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko. Wie teuer sie die britische BP (ISIN GB0007980591) kommen wird, ist noch nicht klar. Der Aktienkurs des Unternehmens jedenfalls war nach der Katastrophe zwischenzeitlich um fast 50 Prozent gefallen.
Vor allem angelsächsische Unternehmen
Die meisten großen börsennotierten Ölkonzerne kommen aus den USA oder Großbritannien.Neben BP sitzt auch Royal Dutch Shell in London (GB00B03MLX29), wenngleich mit einer Hauptverwaltung in Den Haag und dem niederländischen Königshaus als Großaktionär. Der Rest sind überwiegend US-amerikanische Firmen, wie beispielsweise die Chevron Cooperation (ISIN US1667641005), Eigentümer der Marke Texaco, Exxon Mobil (ISIN US30231G1022), in Deutschland vor allem mit der Marke Esso bekannt oder ConocoPhillips (ISIN US20825C1045). Letzterer ist zwar unter diesem Namen in Europa kaum bekannt, ist aber immerhin der drittgrößte US-Ölkonzern. In Deutschland kennt man vor allem die JET-Tankstellen, die versuchen stets ein Cent billiger zu sein als die bekannten Konkurrenten wie die BP-Tochter Aral, Shell oder Esso.
Alternativen zu den Aktien der Großen
Die meisten der großen Ölkonzerne sind vertikal integriert. Das bedeutet, sie sind sowohl in der Förderung von Erdöl als auch in dessen Aufbereitung in Raffinerien und im Verkauf über Tankstellen aktiv, was sie anfällig bei politischen Turbulenzen macht. Eine Alternative können die Aktien von Unternehmen sein, die überwiegen im eigenen Land fördern. Dazu gehören beispielsweise die russische Lukoil (ISIN US6778621044) oder die brasilianische Petrobras (ISIN US71654V1017). Die über Tradegate handelbare Lukoil-Aktie ist zudem vergleichsweise billig zu haben, wenn man bedenkt, dass der nach Ölreserven drittgrößte Konzern der Welt gemessen am Aktienkurs nicht mal unter die Top 10 kommt. Eine Rolle dürfte dabei das Misstrauen in die Stabilität Russlands spielen. Bei Petrobras dürfte zudem die starke Rolle des brasilianischen Staates viele Anleger abschrecken. Trotzdem sollten risikobereite Anleger über diese Option nachdenken. Denn Gefahren gibt es auch bei einer Investition in die großen angelsächsischen Konzerne, die der Fall BP zeigt. Chancen bieten aber vor allem die günstiger bewerteten Konkurrenten aus den BRIC-Staaten.