Beim Investemt auf die Dividende achten?

„Aktionäre sind dumm und frech“, sagt ein alter Kalauer. „Dumm, weil sie ihr Geld anderen Leuten anvertrauen. Und frech, weil sie für ihre Dummheit auch noch Dividende wollen.“
Mal abgesehen davon, dass die Investition in Aktien im Regelfall alles andere als dumm ist, haben die meisten Anleger die Dividende gar nicht im Blick. Dividenden gelten als langweilig. Und tatsächlich, Traumrenditen wie beispielsweise mit der Google-Aktie (ISIN US38259P5089), die sich von Anfang 2005 bis Anfang 2008 fast verfünffachte, lassen sich allein mit der Dividende schwer erzielen.

Hohe Dividende oder niedriger Kurs?

Natürlich ist eine hohe Dividende erst mal erfreulich. Und Kursgewinne gibt es noch oben drauf. Aber kritische Anleger sollten nicht fragen: „Warum ist die Dividenden im Vergleich zum Kurs so hoch“ sondern „Warum ist der Kurs im Vergleich zur Dividende so niedrig“. Das kann verschiedene Gründe haben. Beispielsweise geringe Zukunftsaussichten. Im DivDax, der die 15 DAX-Papiere mit der höchsten Dividendenrendite bündelt, befinden sich viele ehemalige Monopolisten und viele klassische Industriebetriebe. Der Stromversorger EON (ISIN DE000ENAG999) zum Beispiel, die Deutsche Telekom (ISIN DE0005557508) oder ThyssenKrupp (ISIN DE0007500001).
Nicht umsonst hat sich in den USA für eine dividendenorientierte Strategie der Begriff „Dogs of the Dow” durchgesetzt. Dogs sind eigentlich minderwertige Papiere. Die „Dogs of the Dow“ sind also Aktien, die sich im Dow (Jones-Index) zuletzt schlecht entwickelt haben. Die unterdurchschnittliche Kursentwicklung lässt die Dividendenrendite steigen. Zumindest so lange, bis die schlechten Prognosen eintreffen und kein Geld mehr für Dividenden da ist.

Warum eine Dividendenorientierung trotzdem erfolgreich sein kann

In der Vergangenheit hat sich eine Dividendenstrategie auf lange Sicht meistens ausgezahlt. Doch war die Performance des DivDAX ausgerechnet in der zurückliegenden Krise deutlich schlechter als die des DAX. Dabei gilt eine Dividendenstrategie landläufig als weniger schwankungsanfällig. In der Krise, so die landläufige Argumentation, zahlt sich die Dividendenstratgie aus. Denn auch wenn die Kurse abbröckeln, die Dividende fließt meist erst mal weiter.
Doch während der Performance-DAX mittlerweile wieder zehn Prozent höher liegt als vor drei Jahren, hat der DivDAX noch nicht einmal sein Ausgangsniveau erreicht. Das liegt außer an den Versorgern RWE (ISIN DE0007037129) und E.ON nicht zuletzt an den Finanzwerten.
Der Erfolg der Dividendenstrategie in der Vergangenheit ist nur Zufall, sagen deshalb viele Kritiker. Die Befürworter halten dagegen, dass die Börse zur Übertreibung neigt. Sie bestraft Unternehmen, bei denen die Zukunftsaussichten schlecht sind, viel zu stark, so dass der niedrige Kurs nur bedingt gerechtfertig ist. Außerdem werden die Firmen alles tun, um ein Eintreffen der Prognosen zu verhindern. Beim Thema Internetaktien denkt der Großteil der Anleger in der Regel an Google, aber kaum jemand etwa an Kabel New Media (ISIN DE0006229503), einem ehemaligen Star des neuen Marktes, dessen Aktien heute keine zwei Cent mehr wert sind. Deswegen, so die Befürworter der Dividendenstrategie, gleichen die besseren Zukunftsaussichten die geringere Dividende oft nicht aus und man fährt mit dividendenstarken Werten besser.

Problem Wiederanlage

Vielen Anlegern stellt sich bei Dividendenpapieren ein ganz anderes Problem. Denn die Dividende kommt jährlich aufs Konto. Vor allem Rentner in den USA schätzen das und besseren damit ihre Pension auf, ohne regelmäßig Aktien verkaufen zu müssen. Jüngere Anleger dagegen wollen lieber ansparen. Für sie ist die Dividendenzahlung ein Nachteil, zumal der einzige nennenswerte ETF auf den DivDAX, der iShare DivDAX (ISIN DE0002635273), ausschüttend ist und die Dividende nicht gleich wieder anlegt.
Trotzdem sollten Anleger darüber nachdenken, sich ein paar dividendenstarke Papiere ins Depot zu legen. Denn die wirtschaftliche Lage ist unsicher und auch wenn der DivDAX schlechter durch die Krise kam, können angesichts der aktuellen Unsicherheit könnten ein paar langweilige Werte nicht schaden.