Die Zukunft Japans

Es ist noch gar nicht lange her, da rätselte die Welt, was sie den Japanern entgegen setzen könnte. Der Nikkei 225, der die Aktien von 225 wichtigen Unternehmen enthält, erreichte Ende 1989 fast 39.000 Punkte, rund das vierfache des Wertes, den er sechs Jahre zuvor hatte. In der Schule nahmen wir die Gründe für den Erfolg Nippons durch und die Kommentatoren läuteten bereits die Totenglocke der deutschen Industrie: Keine Chance gegen Japan.

Das alles mag vor dem Hintergrund von 20 Jahren Dauerwirtschaftskrise, Tsunami und Reaktorkatastrophe reichlich naiv erscheinen. Dabei hatten die Japan-Enthusiasten nur einen sehr häufigen Fehler begangen: Sie sind einfach davon ausgegangen, dass das was die letzten 20 Jahre war immer so weitergeht.

Wer zu spät kommt,…

In die gleiche Falle läuft, wer Japan zu schnell abschreibt. Klar, die japanische Industrie ist durch die Katastrophen schwer getroffen. Aber die Börse hat darauf bereits reagiert. Die Aktie von Nippon Steel (JP3381000003) stürzte von 2,8 auf etwa 2,1 Euro, die der Toyota Motor Company (JP3633400001) von 35,2 auf 24,8 Euro. Der Nikkei 225 sank von fast 10.900 auf rund 8.200 Punkte. Ein Niveau, auf dem er bereits 1983 gelegen hatte.

Natürlich hat man das Bedürfnis, erst etwas Klarheit über das tatsächliche Ausmaß der Katastrophe zu bekommen. Nur leider ist die Börse extrem schnelllebig. Wer jetzt kauft kann viel verlieren, aber auch viel gewinnen.

Ob man jetzt kauft oder noch ein wenig wartet ist also abhängig von der Risikoneigung. Doch wer in Japan investieren will, sollte auch nicht zu lange warten. Viele Kleinanleger zögern zu lange. Sie verkaufen, wenn die Profis schon wieder kaufen und kaufen, wenn andere bereits wieder aussteigen.

Trendwende

Wer langfristig investieren will, hat gute Chancen. Natürlich kann niemand eine Garantie abgeben, dass Japan je wieder zu alter Stärke zurück findet. Aber hatte man nicht auch die deutsche Industrie zu früh abgeschrieben? Der Trendwechsel muss nicht gleich morgen passieren. Immerhin dauert die Krise jetzt schon über 20 Jahre, dass sie ausgerechnet morgen endet ist unwahrscheinlich. Wer auf Japans wirtschaftliche Auferstehung setzt, braucht also einen langen Atem oder das richtige Händchen für gute Werte. Aber er hat gute Chancen, dass es schon mittelfristig aufwärts geht.

Selbstverständlich greift es zu kurz auf die dramatischen Kursverluste zu zeigen und daraus zu schließen, dass eine Hausse automatisch kommen muss. Denn die jüngsten Kursverluste haben ja einen Grund, die starke Zerstörung der japanischen Infrastruktur. Und die fast 39.000 Punkte des Nikkei 225 im Jahr 1989 waren schlicht übertrieben. Aber dass der Index heute auf dem Niveau von 1983 liegt, ist ebenfalls übertrieben. Der DAX hat sich seitdem mehr als verachtfacht.

Starke Unternehmen

Viele japanische Konzerne spielen noch immer in der weltweiten Oberliga mit. Beispielsweise der Elekronik-Konzern Sony (ISIN JP3435000009), das Motoren- und Autounternehmen Honda (ISIN JP3854600008) oder der Mobilfunkanbieter NTT Docomo (JP3165650007).
Die richtigen Werte zu finden ist jedoch schwierig. Simple Gleichungen wie „Der Bausektor profitiert von der Krise“ sind zu einfach, weil die Börse die Erwartungen der Anleger sehr schnell einpreist. Ob Baukonzerne wie Sumotoma Osaka Cement (ISIN JP3400900001), Daiwa House (ISIN JP3505000004) oder Sekisui (ISIN JP3420600003) tatsächlich zu den Outperformen gehören werden, ist keineswegs sicher.

Für Anleger, die in Japan inverstieren, sich aber breiter aufstellen wollen bietet eine Reihe von Fondsgesellschaften auch Indexfonds auf den Nikkei, beispielsweise ETF Lab (ISIN DE000ETFL102).

Die Katastrophe hat gezeigt, dass die Japaner ihre alten Werte noch immer nicht vollständig zugunsten westlicher Lebensweisen abgelegt haben. Disziplin und Verantwortung für die Gemeinschaft spielen noch immer eine große Rolle. Vielleicht ist die Katastrophe für Japan sogar das Signal, sich an die alte Stärke zu erinnern und endlich die Dauerkrise hinter sich zu lassen.